Heute vor 35 Jahren, am 13.Dezember 1981 wurde in Polen das Kriegsrecht verhängt.

Damit reagierte das kommunistischen Regime auf soziale Unruhen wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage und die Gründung der unabhängigen Gewerkschaft Solidarność im Jahr 1980.

Ein Militärrat regierte nun das Land, Solidarność wurde verboten, tausende Menschen interniert, Behörden, Betriebe und Rundfunk wurden vom Militär besetzt, Fernsehnachrichten wurden von Offizieren in Uniform verlesen. Die Versammlungsfreiheit wurde eingeschränkt und es gab nächtliche Ausgangssperren.

In der „DDR“ hielt man das Kriegsrecht im Nachbarland für richtig und Solidarność ohnehin für vom Westen gesteuerte Konterrevolutionäre.

In meiner Schule gab es neben den üblichen Solidaritätsaktionen für Nicaragua jetzt auch Sammelaktionen fürs Nachbarland. Pakete mit Lebensmitteln sollten nach Polen geschickt werden und die Schüler wurden aufgefordert, Konserven mitzubringen. Den konkreten Empfänger der Sendung konnte man allerdings nicht benennen.

Zu Hause wurde deshalb entschieden, sich der staatlich organisierten Solidarität zu verweigern und Lebensmittelpakete lieber direkt der eigenen Verwandtschaft in Polen zuzustellen.

Reisen ging nicht mehr. Schon seit Ende 1980 war die Grenze zwischen der DDR und Polen dicht. Meine Oma durfte selbst zum 70. Geburtstag ihres Bruders nicht ins „sozialistische Bruderland“ Polen reisen. Und zu seiner Beerdigung wenige Monate später auch nicht.

Vergangenes Wochenende war ich in Polen. Einfach so. Ohne irgendwelche Anträge und Genehmigungen. Und ohne an einer Grenze warten zu müssen. Bei aller berechtigten Kritik an der EU und ihren Institutionen sollten wir nicht vergessen, wie es in Europa vor nicht allzu langer Zeit noch ausgesehen hat.

Der Blick zurück schadet nie. Tage wie der heutige sind dafür gut geeignet.