Schulentwicklung: Die Menschen haben nicht verdient, weiter veralbert zu werden.

Der Stadtrat hat am 27.06.2019 den Schulentwicklungsplan beschlossen. In meinem Redebeitrag habe ich deutlich gemacht, warum ich diesem „Plan“ nicht zustimmen konnte:

Herr Oberbürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren,

„Ja, mach nur einen Plan!

Sei nur ein großes Licht!

Und mach dann noch’nen zweiten Plan

Gehn tun sie beide nicht.“

So dichtete Bertolt Brecht vor mehr als 90 Jahren.

Leider muss ich feststellen, es sind wesentlich mehr als nur zwei Schulentwicklungspläne aus dem Hause Fabian, die seit Jahren nicht funktionieren. Ich bin kein Schulpolitiker, aber ich schaue mir natürlich bei solch bedeutenden Vorlagen wie einem Schulentwicklungsplan auch an, was das konkret im Leipziger Nordosten für Folgen hat. Lassen Sie mich an drei Beispielen erläutern, warum dieses Konvolut, was uns hier unter dem Namen „Plan“ präsentiert wird, nicht das Papier wert ist, auf dem es gedruckt ist.

Beispiel 1:

Bereits 2016 wurde im Schulentwicklungsplan festgestellt, dass Bedarf für eine dritte Grundschule in Schönefeld besteht. Heute, drei Jahre später, erfahre ich im Schulentwicklungsplan zu dieser Schule: „Die Arbeitsgruppe „Standortsicherung soziale Infrastruktur“ prüft potentielle Standorte auf ihre Eignung.“

Halten wir fest: DREI(!) Jahre sind vergangen, und die Stadtverwaltung hat es nicht einmal geschafft, auch nur den Standort für die dringend benötigte Schule zu finden. Obwohl: In der Antwort der Stadtverwaltung auf meine Anfrage unter Top 17.20 der heutigen Ratssitzung kann man lesen: „Die notwendigen Untersuchungen der zu bewertenden Standorte für die Grundschule wurden im Mai 2019 abgeschlossen. Als Ergebnis soll das Schulgebäude an der Löbauer Straße als weitere Grundschule saniert und ausgebaut werden.“ Das Dumme ist nur: im Schulentwicklungsplan, den wir jetzt beschließen sollen, ist genau dieses Gebäude als Oberschulstandort vorgesehen. Was sollen wir denn nun beschließen? Grundschule oder Oberschule an der Löbauer Straße?

Oder viel wichtiger die Frage: Wer soll hier eigentlich veralbert werden und mit welchem Ziel?

Beispiel 2:

Thekla: Die „Einrichtung eines neuen Grundschulstandortes im gemeinsamen Schulbezirk Nordost in der Tauchaer Str. 188 in Thekla mit Bedarf ab Schuljahr 2018/19“ wurde im Schulentwicklungsplan 2017 durch den Stadtrat beschlossen. Ich weiß nicht, was die Stadtverwaltung inzwischen gemacht hat. Eine Grundschule ist dort jedenfalls bisher nicht eröffnet. Stattdessen stellt man der Schule in Portitz Container auf den Hof. Liest die Stadtverwaltung eigentlich ihre eigenen Pläne?

Beispiel 3

Wieder Schönefeld: Vor zwei Jahren haben wir hier den letzten Schulentwicklungsplan beschlossen. Ich hatte dabei die Erweiterung des Schulhofes der Clara-Wieck-Schule beantragt, die Verwaltung hatte den Antrag übernommen und der Rat hat das beschlossen. Der Schulhof wurde bisher nicht erweitert, das Problem dort besteht noch immer und verschärft sich mit wachsender Schülerzahl, wie man der aktuellen Stellungnahme der Clara-Wieck-Schule entnehmen kann. Was macht die Verwaltung? Sie schreibt dazu einfach „Eine Pausenhoferweiterung an der Schule ist nicht möglich.“

Mit einem einzigen Satz wird der Ratsbeschluss von vor 2 Jahren „abgearbeitet“.

Grandios.

Sehr geehrte Damen und Herren, das waren drei Beispiele, allein aus dem Leipziger Nordosten. Ich befürchte, in anderen Stadtbezirken sieht es nicht wesentlich besser aus.

Zumindest aus meinem begrenzten Nordost-Blickwinkel ist die Leipziger Schulpolitik unter Oberbürgermeister Burkhard Jung ein mittelschweres Desaster.

Und wissen Sie was? Ganz ehrlich, ich möchte keine Erklärungen, Rechtfertigungen und Ausflüchte mehr hören. Es ist einfach nur noch unerträglich, was der Oberbürgermeister und seine Stadtverwaltung hier veranstalten.

Oder um es mit Brecht zu sagen:

„Denn für dieses Leben

Ist der Mensch nicht schlau genug.

Niemals merkt er eben

Diesen Lug und Trug.“

Ich bekenne: Es war ein Fehler, jahrelang zu gutgläubig gewesen zu sein. Und ich werde diesen Schulentwicklungsplan heute ablehnen. Weil er das Papier nicht wert ist, auf dem er gedruckt ist.

Sehr geehrte Damen und Herren, die Menschen in unserer Stadt wollen einfach nur wissen, wo und unter welchen Bedingungen ihre Kinder zur Schule gehen werden. Sie haben nicht verdient, weiter veralbert zu werden. Vielen Dank!

(Redemanuskript – es gilt das gesprochene Wort)

Ansbert Maciejewski – 27/06/2019

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1 Kommentar

  1. Mario Käppel

    Ja es ist schon echt spannend, was unsere Schulverwaltung so treibt, da werden in der Vergangenheit Schulen erst zumindest teilweise Saniert, um diese dann kurze Zeit später zu schließen. Um es noch besser zu machen werden diese Schulen nicht nur zugeschlossen, sondern veräußert bzw. verfallen gelassen. Echt traurig, welch geringer Weitblick da vorhanden ist.

    Es ist ja auch nicht so, dass Kinder urplötzlich da sind, meist hat man wenigstens 6 Jahre Vorlauf, bzw 3 Jahre bei Kindergärten.

    In Schönefeld, gibt es noch 4 Schulstandorte, davon der an der Löbauer Straße, diesen durfte ich mir bei der letzten Wahl anschauen, man hat echt Bedenken, dass das Gebäude noch steht. Das diese Gelände nicht ausgebaut wird, ist nicht nachvollziehbar, ÖPNV direkt vor der Tür, Zwei große Schulgebäude, Turnhalle, Sportplatz, Zwei Große Pausenhöfe, eigentlich alles da.
    Von der Schule in der Bästleinstraße einmal abgesehen.

    Bleib dran und es ist richtig , dass Du dem Entwicklungsplan nicht zugestimmt hast.

    Gruß Mario

    Bitte bleib dran und

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