Autofreier Ring Leipzig 2021 – Projekt grünideologisierter Autohasser oder einfach nur Ausdruck geistiger Immobilität?

“Europäische Mobilitätswoche: Leipzig erlebt den autofreien Ring” – Mit dieser Überschrift betitelte das Verkehrs- und Tiefbauamt eine Pressemitteilung, mit welcher den Leipzigern die Sperrung des kompletten Promenadenrings für jeglichen Autoverkehr am 19.September angekündigt wurde.  

Was es mit dieser “Europäischen Mobilitätswoche” eigentlich auf sich hat, erklärt das Umweltbundesamt auf seiner Internetseite: “Die EUROPÄISCHE MOBILITÄTSWOCHE ist eine Kampagne der Europäischen Kommission. Seit 2002 bietet sie Kommunen aus ganz Europa die perfekte Möglichkeit, ihren Bürgerinnen und Bürgern die komplette Bandbreite nachhaltiger Mobilität vor Ort näher zu bringen.” 

Die “komplette Bandbreite” nachhaltiger Mobilität scheint in den Hirnen der Planer des Leipziger Events offenbar durch Radfahren und zu Fuß gehen hinreichend abgedeckt.  

Nun bin ich derzeit kein großer Fan von Elektromobilität. Dass Elektroautos aber durchaus künftig ein ganz wesentlicher Baustein nachhaltiger Mobilität sein können, wird nicht mal von Automobilclubs bestritten.  

Dass es den Autohassern aber tatsächlich nur am Rande um Klimaschutz geht, wird beim Lesen der Pressemitteilung auch deutlich: “So ist unter anderem geplant, vor Ort mit der größten Gehzeug-Parade ins Guinness Buch der Rekorde zu gelangen: Dabei hängen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Konstruktionen um den Körper, die die Abmaße eines Autos haben. Damit zeigen sie, welchen Flächenverbrauch das Kfz gegenüber anderen Verkehrsmitteln hat.” 

Ja, das klingt ziemlich albern. Leider verbirgt sich dahinter aber mehr als nur eine pseudokarnevalistische Albernheit. Im Klartext: Die Menschen sollen gefälligst auf eigene PKW verzichten – egal wie klimaneutral diese im Einzelnen sind. Diese Autos nehmen nämlich Platz weg. 

Baubürgermeister Thomas Dienberg(Grüne) gibt dann auch gleich noch den Gesundheitsapostel und verkündet: „Nachhaltige Mobilitätsformen vermindern beispielsweise nachweislich das Risiko, an Herz-Kreislauf-Leiden zu erkranken und tragen zu höherer allgemeiner Fitness bei. Wer viel Rad fährt oder läuft, ist langsamer und letztlich sicherer unterwegs als im Auto. Er sorgt für weniger Lärm, Schadstoffe und Treibhausemmissionen und fördert damit die Gesundheit aller.” 

Ein Auto – wie klimaneutral es auch sein mag – wird von den Rathausverantwortlichen also nicht dem Bereich “Nachhaltige Mobilität” zugeordnet. Übrig bleibt also: zu Fuß gehen, Rad fahren oder ÖPNV benutzen. 

Dabei kann man auf der Erklärseite des Umweltbundesamtes zur Europäischen Mobilitätswoche auch lesen: “Dadurch zeigen Kommunen und ihre Bürgerinnen und Bürger, dass nachhaltige Mobilität möglich ist, Spaß macht und praktisch gelebt werden kann.” 

Dass in einer Stadt wie Leipzig ein ausschließliches Fuß-/Rad-/ÖPNV-Konzept außerhalb der engen Filterblase ghettoisierter Grüner Bessermenschen von der ganz überwiegenden Zahl der Bürger tatsächlich nicht praktisch gelebt werden kann, wird im Leipziger Rathaus geflissentlich ignoriert.  

Es ist schlichtweg lebensfremd, zu erwarten, dass die weniger zentrumsnah wohnende Durchschnittsfamilie ihren Nachwuchs früh mit dem Lastenfahrrad oder dem ÖPNV auf Kita und Schule verteilt um danach den Arbeitsplatz in einem ganz anderen Teil der Stadt aufzusuchen. Über Schichtarbeiter will ich dabei gar nicht reden.  

Natürlich könnte man sich stundenlang über weltfremde Politikansätze aufregen. Das Schöne an solchen Pressemitteilungen ist jedoch die Selbstdemaskierung der Protagonisten. Es geht ihnen eben nicht um Klimaschutz.  Der Klimaschutz dient nur als Vorwand. Es geht um die Einschränkung individueller Mobilität. Die Leute sollen am besten emissionsfrei in Ihrem Kiez hocken bleiben oder auf dem autofreien Ring wie Bürgermeister Dienberg formuliert “miteinander zu den Themen Sicherheit und Gesundheit im Verkehr ins Gespräch kommen.” 

Insofern sollte man die Leipziger Variante dieses Events vielleicht besser „Immobilitätswoche – innovationsfrei und rückwärtsgewandt” nennen. Das wäre wenigstens ehrlich. Aber mit Ehrlichkeit haben es  Ideologen ja noch nie so gehabt… 

Ansbert Maciejewski, 08/08/2021

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1 Kommentar

  1. Ralf Noack

    Übrigens kostet der ganze „Spaß“ an diesem Tag sehr viel Geld!
    Nach eigenen Angaben der Organisatoren ca. 70.000 €…

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