Leipziger Stadionträumereien in Abwesenheit des Hauptnutzers RB

Eigentlich sollte es bei traditionellen LTM-Tourismusfrühstück in der Moritzbastei am 28. September unter dem Thema „Erste Liga im Sport – erste Liga im Tourismus?“ um den Sport im Allgemeinen gehen. Letztlich lief die Veranstaltung aber auf eine Stadion-Standortdiskussion herau. Es wird nicht die letzte sein.

RB Leipzig hat es nicht geschafft, einen Vertreter aufs Podium zu entsenden. Im Nachhinein kann man zu dieser Entscheidung nur gratulieren. Wer halbwegs über die nächsten zehn Jahre hinausdenkt, mußte sich angesichts der Diskussionsrichtung vorkommen, als sei er im falschen Film.

Professor Zülch von der HHL hält das Stadion mitten in der Stadt für ein Alleinstellungsmerkmal, um das Leipzig beneidet würde. Ich bin allerdings nicht sicher, ob der gebürtige Dortmunder und BVB-Fan nicht eigentlich die Leipziger Innenstadt als solche meinte… 😉

Bürgermeister Rosenthal erklärte, dass die Stadtverwaltung das Stadion am jetzigen Standort als Spielstätte von RB erhalten und nicht mit RB über einen Neubau an der Peripherie nachdenken wolle. Selbst der Moderator teilte am Ende mit, man habe die Notwendigkeit des Innenstadt-Stadions jetzt „herausgearbeitet“.

Auf den Einwand des DEHOGA-Präsidenten Axel Hüpkes, der aus seiner Heimat Mönchengladbach berichtete („Wenn Borussia Mönchengladbach am Bökelbergstadion festgehalten hätte, wäre der Verein jetzt mausetot“) gab es jedenfalls vom Podium keine wirkliche Reaktion.

Stattdessen wurde wiederholt über Verkehrskonzept und Parkhaus geredet, die nun endlich her müssten. Jedem, der die Arbeit der dafür zuständigen Bürgermeisterin im Leipziger Rathaus verfolgt, muss bei dieser Aussage Angst und Bange werden.

Die heute verschickte Medieninformation der Stadtverwaltung zu den Verkehrseinschränkungen rund um das Bundesligaspiel am kommenden Freitag gegen Augsburg umfasst zwei vollgeschriebene DIN-A-4-Seiten. Was kosten diese Maßnahmen eigentlich?

Wenn selbst das Bundesligaspiel gegen Werder Bremen(!!!) schon einen Monat vorher ausverkauft ist, müsste eigentlich dem Letzten klar sein: Leipzig braucht künftig(also irgendwann in den nächsten zehn Jahren) ein größeres Stadion. Ein deutlich größeres Stadion. Und ich wette, dieses Stadion wird sich nicht neben dem Waldstraßenviertel befinden. Wenn wir Pech haben, steht es außerhalb der Stadtgrenzen.

Wenn wir Glück haben, die Stadtverwaltung unter Burkhard Jung & Co. irgendwann damit aufhört, ein Citystadion zu beschwören und stattdessen mit RB über einen Neubau nachdenkt, könnte ein neues Stadion vielleicht auch zwei S-Bahn-Stationen vom Hauptbahnhof entfernt stehen. Und ja, natürlich findet das Michael Kölmel nicht so knorke. Das verstehe ich auch.

Ich weiß, irgendwann wird man in Leipzig wieder dazu kommen, wirklich in die Zukunft zu denken und nicht nur versuchen, irgendwie den Status Quo erträglich zu gestalten.

Bereits im Mai schrieb ich hier auf diesem Blog, dass ich nicht glaube, dass ein vielleicht auf 55.000 Zuschauer aufgepumptes Stadion in 10 oder 15 Jahren noch der Hauptspielort von RB Leipzig sein wird. Wer „auf Augenhöhe“ mit dem BVB oder dem FC Bayern agieren will, kann es sich auf Dauer nicht leisten, 25.000 Tickets weniger pro Heimspiel zu verkaufen, als die Konkurrenz. Und auch sonst werden die Argumente für ein neues Stadion nicht weniger, sondern mehr.

Und irgendwann ist es dann da.

Wetten?

 

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1 Kommentar

  1. Leipzscher

    Sehr schön dargestellt. Mir persönlich ist es völlig egal wo das Stadion steht.

    Mir geht nur diese „Wir sind zwar total anders als andere, aber beim Stadion stellen wir uns mindestens so albern an wie jede andere Fangemeinde “ Situation auf den Keks.

    Das Zentralstadion bekamen wir geschenkt.
    2006 eine WM Arena geschenkt
    2009 eine Fussballheimat geschenkt.
    2010 Eine Red Bull Arena geschenkt
    2016 1. BL geschenkt.
    Und wenn es für gut befunden wird, erhalten wir 60K Innenstadtstadion oder ein 80K Fussballtempel ausserhalb.

    Und ich werde so oder so sehr sehr zufrieden sein…

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